| Edersee - Die neue Lust am Stau | |
| © Jörg Levermann, 1994 (Text und Fotos), erschienen in Yacht Nr. 17/94 | Redaktionsbüro Jörg Levermann |
Der Edersee, eines der schönsten Binnenreviere der
Bundesrepublik, ist wieder randvoll. Hier, im Hessischen,
südlich von Kassel im Waldecker Land, war Segeln lange Zeit nur
ein eingeschränktes Vergnügen. Sieben Jahre lang war dieser
drittgrößter Stausee Europas nur zu zwei Dritteln gefüllt. Die
Staumauer mußte saniert werden. Unter Skippern und Regattafreaks
kommt jetzt Freude auf. Können sie doch endlich wieder auf mehr
als acht Quadratkilometern Wasserfläche segeln. Grund genug zum
Feiern: Am 6. und 7. Mai wurde mit einem großen Volksfest die
sanierte Sperrmauer eingeweiht. Die Segler starteten mit 55
Booten ihre Eröffnungsregatta.
1987 hatte das Wasser- und Schiffahrtsamt Hannoversch-Münden festgestellt, daß es der Staumauer in Waldeck an Standsicherheit fehlte. Sanierung war angesagt. Aus Sicherheitsgründen durfte die Eder fortan nicht mehr bis zur maximalen Höhe von rund 42 Metern gestaut werden. Drei Jahre dauerten die Bauarbeiten. Die Mauerkrone mußte auf ihrer gesamten Länge abgetragen, mit einem Kontrollgang versehen und wieder aufgebaut werden. Jetzt, nach Abschluß aller Arbeiten, summieren sich die Kosten auf 65 Millionen Mark.
Der Wasserspiegel blieb während der
Sanierungsarbeiten oft sieben Meter unter der Maximalstauhöhe.
Mit gesunkener Wasseroberfläche verringerte sich nicht nur die
Größe des Sees. Die Windverhältnisse, ohnehin voller Tücken,
verschlechterten sich weiter. Für viele wurde das Revier
unattraktiv. Sie wanderten ab. Auch Regatten fanden nicht mehr
den rechten Anklang.
Doch nun ist die Durststrecke vorbei. Mitte Mai fiel der Startschuß zur Westdeutschen Meisterschaft in der internationalen H-Boot-Klasse. Immerhin: 34 Boote waren am Start. Zur Pfingstregatta sind sogar 86 Boote gemeldet worden. Erstmals in diesem Jahr wird der "Edersee-Meister" in mehreren Yardstick-Regatten ermittelt.
Erfolgreiches
Regattasegeln auf dem Edersee verlangt eine gehörige Portion an
Reviererfahrung. Sprechen doch die "alten Hasen" von
"sieben Winden". Berüchtigt ist "Kap Hoorn",
ein Bergvorsprung westlich der Halbinsel Scheid. Hier werden
Regatten entschieden. Der Wind kann aus den unterschiedlichsten
Richtungen wehen, und zwar gleichzeitig. Oder wenige Meter weiter
bleibt er ganz weg. Wenn Rasmus es mal juckt, dann überrascht er
den Skipper mit heftigen Fallböen. Bei solchen Gelegenheiten kam
es schon zu Überkopf-Kenterungen unter Spinnacker.
Drei ständig besetzte DLRG-Stationen sorgen für Sicherheit auf dem 27 Kilometer langen Edersee. Franz Rauschenbach, 74, hat in seinen dreißig Dienstjahren bei der DLRG schon manchen gekenterten Jollensegler aus dem Bach gefischt.
Drei Segelschulen gibt es am Edersee. Sie vermieten auch Jollen, Katamarane und ausgewachsene Segelyachten für Familien. Wer es sportlich mag, dem stehen mehrere Hobie-Cats und 470er mit Trapez und allem Drum und Dran zur Verfügung. Fünf Vereine sind in der Regattagemeinschaft Edersee zusammengeschlossen und gestalten die Wettfahrtsaison. Neben einigen kleineren Sportvereinen, die für ihre Segelabteilungen Dauerliegeplätze gebaut haben, gibt es über hundert private Steggemeinschaften.
Bekannt ist der Edersee für seinen Fischreichtum mit
Zander, Hecht und Aal und anderen Delikatessen. Uli Seidlitz,
Fischereimeister und passionierter Segler, organisiert
Wettfahrten für Kielzugvögel und Starboote. Nach solchen
Segelsportereignissen serviert er Hartgesottenen gern seinen
"Aalschnaps". Die Rezeptur dieses Rachenputzers ist
streng geheim. Nur soviel verrät Uli Seidlitz: der Aal wird in
98 prozentigem Alkohol eingelegt. Nach einer gewissen Reifezeit
wird der Schnaps mit fränkischem Korn auf "trinkbare"
fünfzig Prozent verdünnt. Der Aal freilich bleibt in der
Dreiliterflasche bis die Buddel gelenzt ist.
Der Edersee ist 27 Kilometer lang, maximal ein Kilometer breit und besitzt bei vollem Stau eine größte Wassertiefe von 42 Metern. Die Gesamtoberfläche beträgt zwölf Quadratkilometer. Der Stausee ist eine Bundeswasserstraße, da er als Wasserspeicher für den Mittellandkanal diente. Der See untersteht dem Wasser- und Schiffahrtsamt Hannoversch-Münden. Dort sind Bootszulassungen erhältlich (Telefon: 05541/4071). Gebühr für Segelboote: 20 Mark. Die Masthöhe darf 13,90 Meter nicht überschreiten. Motorboote und Verbrennungsmotoren als "Flautenschieber" sind nicht erlaubt. Oft stellen die Segelvereine Gastliegeplätze zur Verfügung.
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